Michael Naura

Für fröhliche Prasser

Von Michael Naura

In Nordfriesland, wo die Nordsee, diese irre Friseuse, mit ihren salzigen Stürmen Bäume und Menschen kämmt, wirken manche Dörfer wie Indianer-Siedlungen. Düster und verlassen. Nur zur Melkzeit kommt Leben in die Buden.

"Michael", fragte mich einmal der berühmte Schweizer Jazzmusiker George Gruntz, als er mich hier oben besuchte, "was habt Ihr denn mit Euren Dörfern gemacht?" Ich gab ihm viel Köm zu trinken, er beruhigte sich und dann erzählte ich ihm von Seeth, diesem 700-Nasen-Dorf, das um 1550 in der herben Landschaft auftaucht.

Wie eine Schlagader durchzieht die Hauptstrasse den Flecken. Und dort, Hauptstr. 12, liegt der "Stapelholmer Heimatkrog". Nee, keine verschwiemelte Hütte für weinerliche Ex-Militärs, nach Pulverdampf stinkende Jäger und Amateur-Chöre, die den Wald anheulen. Sondern: Hier ist die künstlerische Moderne zuhause.

Dafür sorgt Jan Franzen, der junge Wirt. Er steht hinterm Tresen, zapft die köstlichen Biere, serviert den göttlichen Grau-Burgunder, lockt mit eiskaltem Schnaps.

Vor allem aber: Jan ist der Schöpfer der großformatigen Bilder an den Wänden des Krogs. Wo andere Kneipen den Hirsch röhren lassen oder großtittige Frauen auf Blumen starren lassen, erleben wir in Seeth leidenschaftliche Abstraktionen von einer Farbigkeit, die den Betrachter wie ein Raubtier anspringt. Das ist feine zeitgenössische Malerei, der Nolde bestimmt seinen Segen geben würde. Diese Farb-Massaker an den Wänden stehen in einem kontrapunktischen Gegensatz zu den weiß gedeckten Tischen in dem ansonsten sehr gemütlichen Ambiente.

Hier kann man tafeln. Gepriesen seien die Bratkartoffeln, die um das Sauerfleisch tanzen. Hier finden köstliche Muschel-Orgien statt, wenn es Zeit ist. Und vor allem: Nicht Dudelblödpop schallt durch den Krog, sondern die Stones, Tom Waits und Jazz-Rock. Das klingt gut unterm Reetdach des Malers und Gastronomen Jan Franzen.

Zuguterletzt: Für große Feste, von der trauten Hochzeit bis zur wilden Rock`n`Roll-Fete, steht ein Raum für ca. 100 Personen bereit. Gütige Lichtverhältnisse, die auch Monster prächtig aussehen lassen. Crêmefarbene Wände, von denen Jan Franzens markante Bilder grüßen. Nichts für Spießer und verklemmte Bravlinge. Aber für fröhliche und aufgeklärte Prasser und Tänzer jeglichen Alters. Hier wird gefeiert, bis man Blitze zu sehen glaubt.

Michael Naura
Jazzpianist und Komponist.
Ehemals Leiter der NDR-Jazzredaktion.
Texte u.a. für "DIE ZEIT", "DER SPIEGEL", "DER TAGESSPIEGEL"

Warme Küche:

17:00 - 21:00 Uhr

Ruhetag:

Dienstag

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Wir nehmen gerne telefonisch Ihre Tischreservierung unter 04881-7566 entgegen.

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Letzte Änderung: 03.05.2017

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